Für den Dschungel der Anträge auf Corona-Hilfen sind Steuerberater derzeit im Einsatz wie nie. Alles andere als Routine-Alltag.

Hochbetrieb. „Zeit ist Geld“, zitiert Claudia Stadler einen bekannten Satz von Benjamin Franklin. „Dieses Statement gilt auch in der in der Coronakrise und bedeutet für uns Steuerberater Hochbetrieb“, so die Inhaberin und Chefin der Kanzlei cSt-causa in der Wiener City. „Je rascher man die Anträge auf Kurzarbeit einbringt, umso rascher hat man dann durch Dokumentation der Genehmigung ebensolcher eine Chance auf Liquiditätsspritzen bei der Bank. Je rascher der Steuerberater die Kriterien in Phase 1 des Härtefallfonds dem Klienten darlegt, umso rascher hat man 500 oder 1.000 Euro in der Tasche.“

Anträge auf Stundung, Raten-Zahlung, Beitrags-Herabsetzung.

Non-stop Anträge. Für den INSIDER skizziert Stadler ihren neuen Arbeitsalltag – mit den Anforderungen ihrer Klienten rund um die Corona-Hilfen und dem Spagat in ihrer Kanzlei. Was jetzt non-stop am Programm steht? „Stundungen und Ratenzahlungsanträge, Herabsetzungsanträge aufgrund vorhersehbarem Verdienstentgang für Sozialversicherungsbeiträge als auch für Steuervorauszahlungen.“

Komplex. Die Corona Regelungen sind komplex, die Online-Formulare für die Anträge für Laien oft eine Herausforderung. Nächtens lerne sie sich die jeweils neuen Regelungen an, so Stadler, um sie am nächsten Tag umzusetzen – eine Woche später sei oft alles „wieder Schall und Rauch.“

Viele meinen: »Steuerberater scheffeln jetzt Geld ohne Ende«
Dazwischen dann immer wieder die Meinungen von außen, auch der eigenen Kli-
enten: „Ihr Steuerberater seid ja von der Krise nicht betroffen. Ihr scheffelt jetzt Geld ohne Ende!“ Man könne es den Klienten nicht verübeln, wenn sie glauben, wir würden das Geschäft unseres Lebens machen“, sagt Stadler: „Denn kaum ein E-Mail kann in der gewünschten Zeit – nämlich gestern – oder ein Antrag in dieser Geschwindigkeit erledigt werden.“ Die Welle an Arbeit gehe „an die Grenze der Belastbar-
keit“. Und: Während die „High Potentials“ der Kanzlei sich mit Online-Formularen auseinandersetzen müssen und in die Tiefen der Lohnverrechnung eintauchen, um den Personalverrechnern beim Berechnen der Nettoersatzrate für die Kurzarbeit und ähnlichem zu helfen, stehe der Kanzlei-Betrieb an anderen Enden still. Denn „normale“ Projekte und Routinearbeiten liegen jetzt in der Corona-Zeit auf Eis. Für die Steuerberaterberufsanwärter und Bilanzbuchalter in der Kanzlei, die so etwas sonst zum Teil vorbereiten, gibt‘s nichts zu tun.

Unklar, ob Corona-Umsätze finanziell tatsächlich kommen.

Spagat. Was das für Stadlers Kanzlei mit rund 30 Beschäftigten bedeutet? „Eine Hand voll Leute ist 24/7 beschäftigt, doch für viele andere heißt es genauso Kurzarbeit – im Homeoffice“, sagt Stadler. Und aus Vorsicht habe auch sie einige Kündigungen mit Wiedereinstellungszusagen aussprechen müssen – denn es werde sich erst weisen, wie viel vom durch Corona erarbeiteten Umsatz später tatsächlich finanziell hereingebracht werden könne. Geholfen werden müsse jetzt aber jedem ihrer Kunden, ist Stadlers Credo.

Einige arbeiten 24/7, für andere gibt es derzeit nichts zu tun. „Die Überstunden der Handvoll Leute, die jetzt rund um die Uhr arbeiten, die liegengebliebenen Routinearbeiten, das Forderungsmanagement – all das wird ein Spagat sein, an den ich heute noch nicht denken mag.“